Montag, 18.12.2017 07:51 Uhr

Buddhisten ziehen in den Krieg.

Verantwortlicher Autor: Rolf Fischer Naypyidaw, 29.10.2017, 13:45 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 4854x gelesen
Buddhisten
Buddhisten   Bild: Frei Pixabay

Naypyidaw [ENA] Im Sommer 2017 eskaliert die Situation in Myanmar. Das Militär geht systematisch und mit aller Härte gegen die sunnitische Bevölkerung vor. Die Vereinten Nationen sprechen bereits von einer ethnischen Säuberung und bezeichnen die Rohingya als die meist verfolgte Volksgruppe der Welt.

Der Konflikt zwischen der buddhistischen Regierung in Myanmar (vormals Birma oder Burma) und der muslimischen Bevölkerung ist nicht neu. Schon seit der Unabhängigkeit Birmas, im Jahr 1948, hat es immer wieder Militäraktionen gegen sie gegeben. Doch am 25. August 2017 ist die Situation eskaliert. Die Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) hat gleichzeitig verschiedene Ziele in Myanmar angegriffen. Die darauffolgende Aktion von Militär und Polizei hat eine Flüchtlingswelle nach Bangladesch ausgelöst. Buddhisten sind vor islamistischen Rebellen und Moslems vor den staatlichen Organen geflohen.

Die Ursache.

Der Hauptteil der muslimischen Bevölkerung Myanmars lebt in der Provinz Rakhine. Die Bezeichnung Rohingya ist die indogermanische Bezeichnung für diese Region. Verschiedene Gruppen von Rebellen, die für einen unabhängigen muslimischen Staat in der ehemaligen Arakanregion gekämpft haben, sind erst im vorigen Jahrhundert unter dem Sammelbegriff Rohingya zusammengefasst worden. Im Jahr 1995 hat die englischsprachige Presse diese Bezeichnung benutzt, um über die Menschenrechtsverletzungen zu berichten. Seit 2012 haben Rohingya – Aufständische begonnen, die muslimische Bevölkerung zu zwingen, sich selbst als Rohingya zu bezeichnen.

In Myanmar leben 135 Volksgruppen. Die Zugehörigkeit zu einer Religion reicht dort nicht aus, um als Volksgruppe zu zählen und damit eine politische Stimme zu haben. Die Muslime in Myanmar sehen sich aber als eine eigenständige Bevölkerungsgruppe und fordern einen eigenen Staat in der Arakanregion. Die Rohingya möchten nicht unter einer buddhistischen Regierung leben. Der Staat lehnt diese Unabhängigkeitsbestrebungen ab. Er ist der Meinung, dass es sich bei den Rohingya um illegale Einwanderer aus Bangladesch handelt. In Saudi-Arabien und Pakistan werden Flüchtlinge aus Rakhine „birmanische Muslime“ genannt.

Die Wirkung.

Die Buddhisten möchten selbstverständlich keinen Teil ihres Landes verlieren. Da sie die Rohingya nicht als eigenständige Volksgruppe sehen, werden ihnen auch keine politischen Rechte zugestanden. Sie gelten als Staatenlose, haben keinen Zugang zu höherer Bildung und unterliegen massiven Reisebeschränkungen. Das Militär hat viele Siedlungen und Heiligtümer der Muslime zerstört. Die Rohingya sind enteignet und ihr Privatbesitz zerstört oder gestohlen worden.

Es gibt illegale Verhaftungen, Vergewaltigen, Morde und Folter. Es wird berichtet, dass die Regierung von Myanmar an Stellen, an denen zuvor muslimische Stätten gestanden haben, Pagoden und buddhistische Klöster errichtet hat. Die Regierung von Myanmar soll sogar andere Staaten, wie Bangladesch, Indien, Saudi-Arabien, Pakistan Thailand und Malaysia, auffordern, Rohingya, die dort im Exil leben, zu verhaften.

Die Lösung.

Gewalt kann keine Lösung sein. Beide Seiten, Regierung und Rohingya, müssen Kompromisse eingehen. Die internationale Staatengemeinschaft hat, in Anbetracht dieser humanitären Katastrophe, die Regierung von Myanmar aufgefordert, die Gewalt gegen die Rohingya und deren Verfolgung umgehend einzustellen. Wie kann eine Lösung aussehen? Ein Ansatz könnte sein, den Muslimen die vollen Bürgerrechte zu geben. Die Rohingya müssen im Gegensatz dazu ihre Unabhängigkeitsbestrebungen aufgeben.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.